Das kleine feine Weingut in Groß-Umstadt

 

(Darmstädter Echo vom 05.05.2015)

 

Die Urenkelin des Uhrmachers

 
TECHNIK-GESCHICHTE – Im Umstädter Weingut Lohmühle steht ein Ritzert-Uhrwerk – Vorführung beim Hoffest im Juni
 


Feierliche Enthüllung: Johannes Ritzerts Urenkelin Dagmar Pfau, Seckmauerns Pfarrer Thomas Reichard, Seckmauerns Pfarrgemeinderatsvorsitzende Anette Beck, Turmuhrenspezialist Christian Borck und Hobbywinzer Alexander Pfau (von links) bei der Vorstellung der restaurierten Ritzert-Turmuhr auf dem Weingut Lohmühle in Groß-Umstadt.  Foto: Klaus Holdefehr

 

Groß-Umstadt 

"Tock“ macht es an der Stelle, an der es früher „Dong“ gemacht hat. Turmuhren des Uhrmachers Johannes Ritzert waren beliebt, weil mit ihnen ganggenau das Zeitgeläut gesteuert werden konnte. Eines der in Horologen-Kreisen berühmten Uhrwerke steht jetzt im Verkaufsraum des Weinguts Lohmühle. Warum? Auf die Spur der Antwort auf diese Frage führt die Tatsache, dass viele Umstädter das ländliche Anwesen als „Ritzertmühle“ kennen. Bei einem Empfang zur Vorstellung des prominenten Uhrwerks erläuterte Hobby-Winzer Alexander Pfau die Zusammenhänge – mit Blick auf seine Ehefrau und einstige Umstädter Weinkönigin Dagmar Pfau, Urenkelin des Uhrmachers.

Der Turmuhrmacher Johannes Ritzert heiratete 1915 in die Lohmühle ein und gab der Liebe wegen seine großherzogliche Turmuhrmacher-Werkstatt in der Umstädter Innenstadt auf. Er führte fortan den landwirtschaftlichen Mühlenbetrieb weiter. Ritzert war ein weit über Umstadts Grenzen hinaus bekannter und geschätzter Turmuhrmacher. Viele Turmuhren im südhessischen Raum wurden von ihm erbaut – eine Handwerkskunst, die ausgestorben ist, denn die meisten Turmuhren werden heute elektrisch betrieben. Die Ritzert-Uhren wurden in Handarbeit gefertigt und liefen sehr präzise. Die letzte Turmuhr im Eigentum der Familie Ritzert/Brehm wurde mit der Werkstatt des Turmuhrmachers vor einigen Jahren in den Hessenpark nach Neu-Anspach gebracht. „Wir haben zwar den Wunsch entwickelt, wieder eine Ritzert-Uhr bei uns zu haben“, verriet Alex Pfau bei der Präsentation des technischen Kunstwerks am Samstag, „aber wir wollten sie natürlich nicht vom Hessenpark zurückfordern.“

Also hat man sich mit Unterstützung von Technik-Historikern auf die Suche gemacht und wurde in Seckmauern fündig. Vor vielen Jahren außer Betrieb genommen und durch ein modernes elektrisches Uhrwerk ersetzt, rostete sie im Turm der evangelischen Kirche vor sich hin. Die Pfaus überzeugten Pfarrer Thomas Reichard und den Pfarrgemeinderat um Vorsitzende Anette Beck, ihnen das „Museumsstück“ als Leihgabe zur Verfügung zu stellen – mit der Maßgabe, dass die Ritzert-Nachkommen selbst für die Restaurierung aufkommen. Im Ritzert-Experten, Technik-Historiker und Uhrenrestaurator Christian Borck aus Neustadt (Breuberg) fanden sie genau den richtigen Partner. Er berichtete nicht nur äußerst kompetent über Geschichte und Technik der Turmuhren, sondern auch über die 150 Stunden, in denen er das Exemplar aus Seckmauern wieder aufleben ließ – zum Teil unter Einsatz ganz moderner Lasertechnik. Der beeindruckendste Moment dieses Vormittags war denn auch nicht die Enthüllung des ungefähr ein Meter mal einsfünfzig messenden Zahnrad-Monstrums, sondern seine In-Gang-Setzung durch Marlene Brehm, die Enkelin von Johannes Ritzert, und das darauf folgende, so präzise klingende „Tock“.

 

Bild u. Text: Klaus Holdefehr

 

 

(Odenwälder Bote vom 03.06.14)

 

Kühle Weine in besonderem Ambiente

 

Weingut Lohmühle lud zum ersten Hoffest in die Wächtersbach

 

Gleich zur Premiere feierte das Weingut Lohmühle mit seinem Hoffest am Wochenende (24./25.05.) einen großen Erfolg. Als überaus gelungen betrachteten Dagmar und Alexander Pfau die Veranstaltung, die bei strahlendem Sonnenschein unerwartet viele Gäste von nah und fern anlockte. Bei schöner Musik, idealen Wetterbedingungen, kühlen Weinen und in der besonderen Lage im Wächtersbachtal am Rand der Weinbergslage "Herrnberg" ließ es sich, schön im Grünen sitzend, gut verweilen. Etwas Kulinarisches gab es für jeden Geschmack, ob Winzersteak oder Käse, später dann Kaffee und Kuchen.

Viele Ausflügler fanden den Weg in die Lohmühle, fröhliche Gesichter überall, und zufriedene Weintrinker ließen es sich im gemütlichen Ambiente gut gehen. Während mancher Zeiten waren um die 450 Leute da, schätzte Alexander Pfau, der regelmäßige Führungen anbot. Zunächst erklärte er den großen Besucherscharen dabei einen geschichtlichen Teil, erläuterte zum Beispiel die Gründe, warum die 1728 erbaute Mühle Lohmühle heißt, die vielen Umstädtern noch als "Ritzertsmühle" bekannt sein dürfte. Ursprünglich wurde dort nämlich "Lohe" gemahlen, Eichenrinde, aus der Gerbsäure gewonnen wurde für die damals zahlreichen Gerbereien. Die Lohmühle war also einst zuständig für die Produktion von Gerbsäure für die Umstädter Lederindustrie. "Eine sehr spezielle Mühle hier in Umstadt." Als der Mühlenbetrieb Anfang der 1960iger Jahre eingestellt wurde, "wobei schon in den letzten Jahren nicht mehr das Lohe-Mahlen im Vordergrund stand", so Pfau, stand neben Schneidarbeiten unter anderem mehr die Landwirtschaft im Vordergrund.

Nach Besichtigung des alten Weinkellers nahm die Führung in einem zweiten, kellerwirtschaftlichen Teil ihren Lauf. In der neu erbauten Kelterhalle konnten die Gäste dann sehen, wie der Wein eigentlich produziert wird. "Wir machen alles selbst, von der Traubenlese bis zur Verarbeitung, Vergärung und Abfüllung, bis zum Etikettieren der Flasche." Inzwischen sei man in der Lage, rund 15.000 Liter Wein im Jahr zu machen, sagte nicht ohne Stolz Alexander Pfau.

Einzelne Arbeitsgänge ließen sich hier gut nachvollziehen, Weinproduktion zum Anfassen boten die erfolgreichen Privatvermarkter damit, die sich selbst als "anfassbar" bezeichnen. "Wir sind ja nicht sehr groß. Aber unser Anspruch ist es, dass auch alle Weine wirklich gut sind", schilderte Pfau. "Und die Prämierungen zeigen das ja, das wir immer mit vorn dabei sind." Auch das Ambiente des Hofes und die "Super-Lage" machten natürlich einen gewissen Reiz aus. Neu im Sortiment ist in diesem Jahr der Portugieser Weißherbst, "ein toller Roséwein, für so einen Sommertag genau der richtige Wein", der auch vielfach auf den Tischen in den Gläsern zu finden war, "ansonsten noch neu mit dabei ein Grauburgunder, der auch sehr gut angelaufen ist".

Die Winzerfamilie Pfau gründete das Weingut 2008 und führt es seitdem im Nebenerwerb. "Wir machen das halt nebenbei", sagen die Pfaus, aus deren Hobby mittlerweile dieser ansehnliche Betrieb geworden ist. "Klar, so eine Herausforderung wie das Hoffest schaffen wir nicht immer, aber geplant ist, in den Sommermonaten das ein oder andere Mal ein bisschen Bewirtung zu machen." Bis dahin ist auf jeden Fall schon mal samstags die Probierstube von 9 bis 13 Uhr geöffnet.


Ihr erstes Hoffest auf der Lohmühle feierten Dagmar und Alexander Pfau mit hunderten von Gästen und waren überwältigt von dem großen Zuspruch. Zahlreiche Ausflügler kamen, um das Weingut kennen zu lernen und bei bestem Wetter in gemütlicher Runde zu verweilen.

Bild und Text: Dorschel



(Odenwälder Bote vom 21.03.14)

 

Das Weingut "Lohmühle" lud zur großen

Eröffnungsfeier ein

 

Großer Bahnhof beim Weingut "Lohmühle". Hier war richtig was los und das war einem ganz besonderen Ereignis zu verdanken, der Einweihung der neuen Räumlichkeiten im Weingut nach einem umfassenden Umbau der bisherigen substanziellen Gebäudestruktur. Zahlreiche Vertreter aus Politik und Wirtschaft hatten sich in der Groß-Umstädter Wächtersbachstraße 36 eingefunden, um selbst die umfangreichen Modernisierungsmaßnahmen in Augenschein zu nehmen. Dagmar und Alexander Pfau, die Betreiber des Weinguts, eröffneten die Einweihungsfeier gemeinsam mit einer wechselweisen Ansprache. Dagmar Pfau erinnerte noch einmal an die vielen Fragen zu Beginn des Umbaus des seitherigen Kuhstalls, beziehungsweise der inzwischen als Lagerhalle genutzten Räumlichkeiten: "Kommen hier jetzt Tanks herein, oder wird es doch eine Straußwirtschaft?" All diese Fragen sollen, so Dagmar Pfau, nun beatwortet werden. Dazu habe man nicht nur die Freunde des Umstädter Weins eingeladen, die gerne mal ein Gläschen trinken, sondern auch die die anderen Weinbaubetriebe von Umstadt. Denn nur wenn sich die Betriebe untereinander kennen, werde auch gegenseitige Unterstützung möglich und auf die legen sie und Alexander großen Wert.

 

Alexander Pfau fügte ergänzend an, der Weinbau habe in der Familie seiner Frau schon lange Tradition. Bereits der Urgroßvater, der bekannte Turmuhrmacher Ritzert, legte einen Weinberg auf dem Herrnberg an und baute seinen Wein im Keller der "Lohmühle" aus. Sein Schwiegersohn, damals Gründungsmitglied der Odenwälder Winzergenossenschaft, trat dieser dann bei und verkaufte seine Trauben dorthin. Schon bevor seine Dagmar 2008/09 Umstädter Weinkönigin wurde reifte die Idee heran, einen eigenen Wein nicht nur selbst zu präsentieren, sondern diesen auch vom Anfang bis zum Ende selbst herzustellen. Dazu pachteten sie einen kleinen Weinberg und produzierten schließlich einen 2008er "Umstädter Stachelberg Kerner Spätlese" in einer sehr ansprechenden blauen Flasche. Schon ein Jahr später bot sich die Möglichkeit durch zwei weitere Rebsorten die Produktionsmenge auf rund 5.000 Liter zu erhöhen. Hierfür wurde der alte Gewölbekeller freigeräumt und viele ältere Kellereigeräte besorgt. Mit viel Energie hätten sie dann vier Jahre lang nostalgischen Weinbau betrieben. Im Wohnzimmer fand das Eheleben statt, zwischen Filterplatten und Bentonit Säcken und im Schlafzimmer wurde zwischen Flaschen und Korken die Nacht verbracht. Eine Schlüsselfigur für den Betrieb sei ein bekannter Gastronom und Winzer aus Umstadt gewesen, der schon viele Jahrzehnte auf dem Hof ein und ausgehe, nämlich Heiner Hax. Er habe sie mit seinem großen Fachwissen unterstützt.

  

Heute sei die "Lohmühle" ein Betrieb mit einer möglichen Produktionsmenge von rund 15.000 Liter im Jahr. Alles abgefüllt in Edelstahltanks mit Doppelmantel und installierter Kühlung. Dadurch sei ein temperaturgesteuertes Vergären der Weine möglich. Hinzu kam für die Präsentation der Weine ein hübscher und feiner Weinladen. Dieser ermögliche jetzt die Weine mit dem Kunden in ansprechender Umgebung zu verkosten. In der Kelterhalle könne das Weingut auch größere Gruppen empfangen. Für Interessierte gebe es außerdem Betriebsführungen. Bei schönem Wetter wolle man Bewirtung im Freien anbieten. Zu den Zukunftsvisionen gehöre es den alten Gewölbekeller als Barriqueweinkeller für Rotweine herzurichten, den Mühlenweiher wieder mit Wasser füllen, auf dem viele Umstädter einst Schlittschuh liefen sowie die Mühle begehbar und erlebbar zu machen. In das Projekt, so Dagmar Pfau, hätten sie und ihr Ehemann viel Herzblut gesteckt. Natürlich habe die Landwirtschaft lange Jahre hier dominiert. Aber zur Tradition des Betriebes habe stets der Weinbau gezählt und diesen wolle man nun wieder mit Leben erfüllen. Eine ganz besondere Motivation sei natürlich, dass der Wein zu Umstadt gehöre. Und zu dieser Vielfalt der hier angebotenen Weine möchte man ein weiteres und möglichst großes Mosaiksteinchen beitragen. Natürlich hätten sie das alles nicht alleine schaffen können. Deshalb möchten sie sich ganz herzlich bei allen Helfern bedanken. Der größte Dank aber gebühre den Eltern. So dankte Dagmar ihren Eltern, die zwar in Roßdorf selbst ein Geschäft betreiben, aber für den Umbau viel Zeit investiert hätten. Der Vater von Alexander, Georg Pfau, habe in akribischer Weise ein Jahr lang ihre Bauvorstellungen und Wünsche in die Tat umgesetzt und bis ins Detail sein handwerkliches Können unter Beweis gestellt. Ihre Schwiegermutter Sigrid sei stets eingesprungen, wenn es um die Betreuung des Nachwuchses ging.

 

Die Vertreterin des Landrats, die Erste Kreisbeigeordnete Rosemarie Lück, übermittelte zur Einweihung herzliche Glückwünsche. Sie wünsche den "Jungen Wilden" im Weinbau viel Glück und Erfolg auf ihren weiteren Weg. Diethard Kerkau, Groß-Umstadts Erster Stadtrat, bezeichnete das Weingut als Bereicherung für die "Odenwälder Weininsel". Weitere Glückwünsche übermittelten Umstadts Weinkönigin Pia I. und ihre Prinzessin Christina. Übrigens waren auch zahlreiche ehemalige Umstädter Weinhoheiten in ihren kürzlich neu angeschafften hoheitlichen Gewändern zu diesem Ereignis erschienen. Ebenso wünschte dem Weingut die Bergsträßer Gebietsweinkönigin Franziska Jourdan viel Erfolg auf dem weiteren Weg. Der frühere Groß-Umstädter Weinbauvorsitzende Franz Huber bewies in seiner Ansprache, dass er nach wie vor ein profunder Kenner des Umstädter Weinbaus ist. Sein Streifzug durch die Geschichte der "Lohmühle" unterstrich seine langjährige Verbundenheit zum Umstädter Weinbau. Zudem zeigte sie sehr eindrucksvoll wie eine erfolgreiche Vergangenheit sich in eine hoffnungsvolle Zukunft verwandeln kann. Bekanntlich kamen aus der Wächtersbach etliche Umstädter Weinhoheiten, alleine aus dem Haus "Lohmühle" drei an der Zahl. So bekam denn auch Franz Huber für die Bezeichnung "Willkommen im Tal der Königinnen" stürmischen Beifall. Weitere Grußworte sprachen der Vorsitzende des Weinbauverbandes Hessische Bergstraße, Otto Guthier sowie als Investor Sparkassenchef Manfred Neßler. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von der Umstädter Nachwuchsband "Fän Jazz Tik", Lars, Collin und Matz. Das die Gäste so lange blieben war an diesem Sonntag natürlich insbesondere der Tatsache geschuldet, dass Sekte und Weine der "Lohmühle" kredenzt wurden. Ganz gewiss ein Grund das sonntägliche Menü etwas nach hinten zu schieben. Also, so das Resümee, ein Besuch in der "Lohmühle" lohnt sich allemal.



Mit zahlreichen Gästen aus Politik und Wirtschaft feierte das Weingut "Lohmühle" die Einweihung seiner neuen Räumlichkeiten nach einem umfassenden Umbau der bisherigen Gebäudesubstanz. Im seither als Kuhstall genutzten Gebäude stehen jetzt schmucke Edelstahltanks und sind bereit bis zu 15.000 Liter köstlichen Rebensaft zu beherbergen. Unser Bild entstand bei der Eröffnungsfeier, bei der unter anderem Groß-Umstadts Erster Stadtrat Diethard Kerkau (rechts im Bild) eine Ansprache hielt. Links am Bildrand sind Alexander und Dagmar Pfau zu sehen.

  

Bild und Text: Johmann




(Odenwälder Bote vom 14.09.12)


Weinehrenpreis der Stadt Groß-Umstadt




 

Erstmals durfte das junge Weingut „Lohmühle“ den Weinehrenpreis der Stadt-Groß-Umstadt entgegennehmen. Die Auszeichnung erfolgte durch Bürgermeister Joachim Ruppert an Dagmar und Alexander Pfau im Rahmen der Winzerfestweinprobe in der „Heinrich-Klein-Halle“. Das Weingut ist mit seinen Weinen jetzt seit 4 Jahren auf dem Markt. Diese Ehrung hätte ihnen viel Freude bereitet, so die beiden, und zugleich gezeigt, dass sie mit ihren Weinen auch qualitativ auf dem richtigen Weg seien. Wer die Weine einmal probieren möchte kann dies immer Samstags zwischen 10 und 12 Uhr in der „Lohmühle“ Wächtersbachstr.36 (alternativ: Hinweis auf unsere Homepage, dort sind die Verkaufsstellen genannt www.weingut-lohmuehle.de) tun. In diesem Jahr, so die beiden Jungwinzer, wären die Chancen auf einen hervorragenden Jahrgang sehr gut und so freue man sich gute und ansprechende Weine kredenzen zu können.


                                                                                                                         Bild und Text: Johmann




(Darmstädter Echo vom 05.11.10):


Die Liebe und der Wein  


"So ein Glas Rivaner abends, das ist schon was Feines." Es spricht für den Wein, wenn der Winzer seinem Eigengewächs zuspricht. Der Winzer heißt Alexander Pfau. Bis vor wenigen Jahren hatte der Groß-Umstädter (33) mit dem Wein nur als Liebhaber zu tun. Das änderte sich, als Dagmar Brehm (28) seine Liebste wurde. Die kommt aus einer Weinbauernfamilie, war Umstädter Weinkönigin 2008/09, und schon im ersten Lebensjahr hat ihre Mutter sie im Kinderwagen mit in den Wingert genommen.


    

Im dritten Jahr betreibt das Liebespaar nun das Weingut Lohmühle, das damit das jüngste Gut der Odenwälder Weininsel ist.

 

Die Lohmühle wurde 1728 von Johannes Heyl errichtet. Dazu gehörte auch stets etwas Landwirtschaft und seit 1931 auch ein Wingert, den Brehms Urgroßvater Johannes Ritzert, besser bekannt als Turmuhrmachermeister, angelegt hat. Die Verarbeitung der Trauben und den Ausbau des Weins überließ ihr Opa Georg Bernhard Weber als Nachfolger Ritzerts der von ihm mitbegründeten Odenwälder Winzergenossenschaft (OWG). Alle Arbeiten im Weinberg blieben Familiensache.

Da kommt Pfau ins Spiel, der als Mitorganisator des Winzerfeststands für den heimischen TSV Richen der Winzertochter näher gekommen ist.

 

"Warum die Trauben nicht selbst keltern und den Wein selbst ausbauen, wenn man schon die ganze Arbeit im Weinberg macht?" warf er auf und lieferte als Betriebswirt erste Kalkulationen mit. Auch Brehm kann als studierte Agrarwissenschaftlerin Fachkompetenz beisteuern.

 

Pfau begriff allerdings anfangs nicht, dass Weinbau mit Natur zu tun hat und die sich nur begrenzt in betriebswirtschaftliche Kalkulationen einbauen lässt. "Naturkind" Brehm hingegen sagt, dass man aus jeder Situation das Beste machen kann. Andererseits wäre die Prüfingenieurin bei der Umstädter DLG ohne die Initiative des Geliebten nicht das Wagnis eines eigenen Weinguts eingegangen.

 

Der Betriebswirtschaftler musste die Erfahrung machen, dass die OWG "vinum autmundis" eine Macht ist, die ihre Vertragsflächen nicht gerne selbständigen Jungwinzern überlässt. OWG-Geschäftsführer Olli Schröbel sorgt sich zwar über das recht hohe Durchschnittsalter "seiner" Winzer, andererseits hätte er die Trauben von Jungwinzern wie Brehm und Pfau, Lars Anders, Daniela Collatz und den Kleestädter Krupkas lieber in den Genossenschaftskeltern. "Die OWG hat zweifellos viel für den Ruf des Umstädter Weins getan, doch das Verhältnis zu den Selbstvermarktern ist gespannt", sagt Pfau.

 

So fing das Weingut Lohmühle im ersten Jahr mit ein paar hundert Quadratmetern Rebfläche und 600 Litern Wein an. 2009 war mit Zuwachs auf 6200 Quadratmeter ein gutes Jahr, mit 4500 Litern Wein in den neuen Edelstahltanks im Keller der Lohmühle. Eher mau ist die aktuelle Lage, mit 3500 Litern und besonderen Forderungen an den Ausbau. "Wir haben jetzt das ganze Jahr Arbeit mit dem Wein, und manchmal werden es während der Lese 18-Stunden-Tage", erklärt Pfau. "Mit unseren Preisen können wir mit etwas Glück die Betriebskosten decken, da sind nicht mal die Anschaffungskosten für die Tanks drin und schon gar kein Arbeitslohn."

 

Warum also dieses Engagement? "Das ist einem irgendwie in die Wiege gelegt, sagt Brehm. Pfau spricht von einem Hobby, der Lust an der Selbstbestimmtheit, zu dem auch ein "Corporate Design" mit Lohmühlenlogo aus Mühlstein und Trauben, eigenen Etiketten und einer ungewöhnlichen Flaschenform gehört. Er hat Pläne, die Anbaufläche zu erweitern und zu Riesling, Kerner und Müller-Thurgau auch noch einen Roten anzubauen.

 

Die beiden Jungwinzer eint die Liebe zum Wein - und die Liebe, die übrigens auf dem Winzerfest 2005 begann. Nach Umstädter Maßstäben kann daher alles nur gut werden.


                                                                                         Bild und Text: Holdefehr



(Main-Echo vom 17.09.10 + Odenwälder Bote vom 14.09.10):

  

Die Lust am Wein(bau)

Die Lohmühle, das jüngste Weingut Umstadts

 

Ein freches Lila, ein helles Blau und ein Grün, das ins Türkise spielt, das sind die Farben der Etiketten eines neuen Weines. Kreiert haben nicht nur die Etiketten, sondern auch den Wein, die beiden Neu-Winzer Dagmar Brehm und Alexander Pfau. Beider Herzblut hängt nicht nur an dem Inhalt der Flaschen, sondern auch am äußeren Erscheinungsbild. Die 28-jährige Agrarwissenschaftlerin Brehm und ihr Freund und Partner, der 33-jährige Betriebswirt Pfau haben vor zwei Jahren das Weingut Lohmühle in Groß-Umstadt gegründet. Angefangen haben die beiden mit 400 Quadratmetern, geerntet haben sie 300 Liter. "Deshalb ist von dem Erstlingswein kaum noch welcher da", bedauert Brehm. Den ersten Wein ziert auch noch ein anderes etikett, das Corporate Design des jungen Unternehmens war noch nicht so ausgereift. Außerdem gab es damals noch einen anderen Grund, Dagmar Brehm vertrat damals den Umstädter Wein als Weinkönigin und lächelt bekrönt vom ersten Schildchen.

 

Als Ausgleich, inzwischen hat Brehm die Krone an die Nachfolgerin weitergereicht, zieren jetzt eine bronzene (Müller-Thurgau) und eine silberne Preismünze (Rivaner halbtrocken) des Landes Hessens den Jahrgang 2009 des ganz jungen Weingutes. Ein erstaunlicher Erfolg für die jungen Winzer, die "alles selber machen wollen".

  

   

Der leichteste Weg wäre für Brehm und Pfau der Weg zur Winzergenossenschaft gewesen. So wie es viele der kleinen Winzer in Groß-Umstadt tun. Die Arbeit im Weinberg übernehmen sie mit Freude selbst, die Arbeit im Keller lassen sie ab der Lese vom Kellermeister Jürgen Kronenberger erledigen, der seinen Job bekanntermaßen sehr gut macht. Vom sauren Gesöff, das man bestenfalls den Gefangenen des Dieburger Gefängnisses verabreichen kann, wie Weinkenner Günther Schüttler bei seinen Stadtführungen gerne süffisant erwähnt, hat er sich zum edlen Tropfen entwickelt, der oft und reichlich prämiert wird.

 

"Die Arbeit im Weinberg macht nur einen Drittel der Gesamtarbeit aus", sagt Brehm. Ihr Partner Pfau ergänzt: "ein Drittel findet im Keller statt und ein Drittel geht für Vermarktung und Buchhaltung drauf". Auch diese Aufgaben wollen sie in eigener Hand behalten und die beiden lieben ihr Hobby, zu dem Pfau durch seine Freundin kam.

 

Dagmar Brehm stammt aus einer Umstädter Familie, die den Weinbau schon lange pflegt. Etiketten aus den fünfziger Jahren hat sie in der Lohmühle gefunden. Auch die Lohmühle, der Sitz und Namensgeber des jungen Weingutes, ist ein Gehöft mit langer Tradition. Das älteste Gebäude, die eigentliche Mühle, die früher Eichenrinde für die zahlreichen Gerbereien mahlte, in Umstadt besser als Ritzertsmühle bekannt, wurde im Jahr 1728 gebaut.

 

Den Weinbau erledigte die Familie, die zur Mühle später auch noch Landwirtschaft betrieb, so nebenbei mit. "Ich war schon im ersten Lebensjahr im Wingert", sagt Brehm, "da stand ich im Kinderwagen neben den Reben". Den Weinausbau kennt sie jedoch nicht aus familiärer Anschauung, die Eltern und Geschwister geben ihre Trauben in der Winzergenossenschaft ab.

 

An einen eigenen Weinausbau dachte die Agrarwissenschaftlerin aber wohl schon länger. Bei ihrer Ausbildung und den zahlreichen Praktika achtete sie darauf, dass möglichst Weinbau bei den ausbildenden Betrieben dabei war.

 

Inzwischen haben die beiden Betreiber des Weingutes ihre Erntemenge ausgebaut, bei der zweiten Lese fuhren sie bereits 4.000 Liter ein. Die Gerätschaften für die Pflege der Reben haben sie von der Familie, Fässer für den Keller haben sie selber gekauft. Ein wenig stöhnt Brehm darüber, dass es in der hessischen Bergstraße keine Winzerinfrastruktur gibt. "Das Weinanbaugebiet ist viel zu klein, wenn ich etwas für den Keller kaufen will, muss ich bis in die Pfalz fahren. Um eine Mostspindel für 11,50 Euro zu kaufen, verfahre ich 20 Euro Sprit", sagt Brehm. Oft genießt sie den Ausflug in die Pfalz, aber wenn sie mal schnell was braucht, ist das einfach nur lästig.

 

Genießen tun die beiden jedoch insgesamt ihr Hobby des Weingutes. "Bis jetzt ist es, trotz der vielen Arbeit auch nur ein Hobby", sagt Pfau, "wir sind froh, wenn die Einnahmen die Kosten decken". Dennoch wollen die beiden ihren Wingert und ihren Wein nicht missen. Spaß macht nicht nur die Arbeit im Weinberg, auch im Keller sind sie mit Freude am Ausprobieren und Experimentieren. Und das Schwätzchen mit den Kunden gehört ganz selbstverständlich dazu.

  

  

Moderat wollen die beiden jungen Winzer weiterwachsen. "Die Arbeit muss zu bewältigen sein", sagt Pfau, "und der Kundenstamm muss ja auch mitwachsen". An einem Rotwein würden sich die beiden gerne versuchen und suchen deshalb einen Weinberg mit roten Reben zu pachten oder zu kaufen.

 

Wer den Wein des jungen Umstädter Weingutes Lohmühle einmal probieren will, der kann das am Winzerfest tun. Vor dem Gasthaus "Zum Lamm" in der Georg-August-Zinn-Straße werden Brehm und Pfau ihren Stand haben.

Informieren kann man sich auch im Internet unter www.weingut-lohmuehle.de oder unter der Telefonnummer 0172 6550503.

  

Bild und Text: Bernauer

  

(Eigener Bericht vom 31.05.2010):

   

Groß-Umstädter Weinlagenwanderung

 

 

   

Bei der Groß-Umstädter Weinlagenwanderung am 30.05.2010 die alljährlich vom Odenwaldklub Groß-Umstadt ausgerichtet wird, luden sechs Weinstände zum probieren ein. Viele Wanderer liessen sich nicht von der Wettervorhersage abschrecken und eroberten die Umstädter Weinberge in allen Lagen. Auf dem Bild ist ein Weinstand der Lage Steingerück, hier schenkten fröhlich aus: [v.l. Willi Diehl (Weingut Brücke-Ohl); Willi Schäfer (Odenwaldklub); Alexander Pfau und Dagmar Brehm (Weingut Lohmühle)].

 

  

  

(Odenwälder Bote vom 30.04.2010):

 

Bensheimer Weinfrühling

 


 

Gut besucht war am Samstag, dem 24.04.10 der Bensheimer Weinfrühling in Bensheim. Unterstützt durch einen Bus Umstädter Weinfreunde präsentierten die Betriebe vinum-autmundis-Die Odenwälder Winzergenossenschaft, Weingut Brücke-Ohl, Weingut Werner und Lisa Edling, Weingut H. & R. Krupka und Weingut Lohmühle ihren neuen Jahrgang. Auf dem Bild v. l. Andres Diehl, Weinprinzessin Janina, Weinkönigin Maria I., Weinprinzessin Lisa, Willi Diehl, Dagmar Brehm, Alexander Pfau, Heike und Maren Krupka.

  

                                                                Bild und Text: Umstädter Weinbauverein

 

 

 

 

(Odenwälder Bote vom 19.03.2010):

 

Umstädter Weinbauverein traf sich zum Monatsstammtisch:

 



  

Der Umstädter Weinbauverein traf sich zum Monatsstammtisch am Biet auf dem Marktplatz. Über die Bedeutung der Mühlen wusste Weinbauvorsitzender Franz Huber (links) unterwegs viel zu erzählen. Ziel des Rundgangs war das neue Weingut "Lohmühle" in der Wächtersbach, den Umstädtern als "Ritzertsmühle" wohl bekannt. Die Winzerin Dagmar Brehm und Winzer Alexander Pfau (siehe Bild) hießen die neugierigen Weinfreunde herzlich willkommen. Sie stellten ihren Betrieb vor und verwöhnten die Gäste mit Proben ihrer vorzüglichen Weine. Der Weinbauverein bedankte sich mit einem hübschen Präsent.

  

                                                                                          Bild und Text: Johmann


 

 

 


(Odenwälder Bote vom 11.09.2009):

 

Weinkönigin präsentiert ihren eigenen Wein:

  

 

Erstmals präsentiert eine Groß-Umstädter Weinkönigin, bei der großen Weinprobe im Rahmen des Bauernmarktes, ihren eigenen Wein. Die Trauben der Kerner Spätlese (Lage Stachelberg) wurden bereits vor ihrer Amtszeit gepflegt und gehegt und dirkt nach der Krönung geerntet. Beim Ausbau im Gewölbekeller der Großeltern legten Dagmar I. und ihr Freund Alexander Pfau besonderen Wert auf die Balance zwischen Süße und Säure. Rund 150 überschaubare Rebstöcke besitzen die beiden. Auf dem Etikett steht Weingut "Lohmühle", alteingesessenen Umstädtern auch als "Ritzerts Mühle" bekannt. Außer bei der Weinpobe wird der Kerner während des Bauernmarktes auch im "Biet" auf dem Marktplatz ausgeschenkt. Bei der Bergsträßer Weinprämierung wurde der Wein auf Anhieb prämiert.

Bild und Text: Johmann